Auswahlkriterien für geeignete Chemikalienschutzhandschuhe
"Bei Arbeiten, die mit einer Gefährdung durch chemische, mechanische oder thermische Einwirkungen für die Hände verbunden sind, müssen geeignete Schutzhandschuhe getragen werden. Diese müssen entsprechend ihrem Verwendungszweck ausgewählt und vor jeder Benutzung auf Beschädigungen kontrolliert werden. Beschädigte oder anderweitig unbrauchbar gewordene Handschuhe sind zu ersetzen.
Zum Schutz vor chemischen Einwirkungen sind Handschuhe geeignet, die gegenüber den eingesetzten Gefahrstoffen beständig und nicht durchlässig sind. Die Hersteller haften nach dem Produkthaftungsgesetz für ihre Angaben bezüglich der Beständigkeit und der Durchlässigkeit gegenüber bestimmten Gefahrstoffen. Diese Angaben sind bei der Beschaffung von Schutzhandschuhen einzuholen."
Quelle: GUV 19.17 / GUV-SR 2005 "Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Umgang mit Gefahrstoffen im Hochschulbereich".
Kennzeichnung von Chemikalienschutzhandschuhen
Chemikalienschutzhandschuhe sollen beim direkten Umgang mit chemischen Gefahrstoffen vor Gesundheitsrisiken schützen. Gesundheitliche Risiken bestehen insbesondere bei Kontakt mit reizenden oder ätzenden Stoffen sowie mit hautresorptiven Stoffen, die durch die Haut in den Körper aufgenommen werden und so akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen können.
Grundsätzlich sind Chemikalienschutzhandschuhe an der Kennzeichnung zu erkennen:CE-Kennzeichen + Jahreszahl + Kennnummer der Prüfstelle
+ Piktogramm
oder
.
Die Kennzeichnung befindet sich auf dem Handschuh (evtl. geprägt) oder auf der Verpackung. Handschuhe ohne Piktogramm und ohne beschriebene Kennzeichnung schützen nicht vor Chemikalien bzw. Gefahrstoffen. Deshalb bieten z.B. medizinische Untersuchungshandschuhe keinen Schutz vor Chemikalien.
Die Aussage der Handschuhkennzeichnung und der Piktogramme ist jedoch begrenzt. Wesentlich und wichtig für den Anwender ist die Auswahl der Chemikalienschutzhandschuhe basierend auf den Permeationsdaten der verwendeten Chemikalien (vgl. weiter unten im Text).
Es gibt keinen Chemikalienschutzhandschuh, der gegenüber allen Chemikalien eine Schutzwirkung hat und der auf Dauer wirksam ist.
- Die Schutzwirkung variiert gegenüber unterschiedlichen Gefahrstoffen in der Regel erheblich.
- Unterschiedliche Handschuhmaterialien reagieren gegenüber dem gleichen Gefahrstoff fast immer verschieden.
- Chemikalienschutzhandschuhe verschiedener Hersteller können auch bei gleichem Material eine unterschiedliche Schutzwirkung gegenüber einer Chemikalie haben, da sich die Rezepturen und Kompositionen der Hersteller erheblich voneinander unterscheiden können.
- Der wirksame Schutz von Chemikalienschutzhandschuhen ist praktisch immer zeitlich begrenzt. Nicht selten liegt die maximale Verwendungsdauer der Handschuhe im Bereich weniger Minuten.
Kriterien zur Auswahl geeigneter Handschuhe
Zum Schutz vor einer bestimmten Chemikalie muss ein Handschuh aus einem gegenüber der Chemikalie beständigen Material ausgewählt werden. Chemikalienschutzhandschuhe können aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Gebräuchlich sind Naturkautschuk bzw. Latex (NR), Chloroprenkautschuk, z.B. Neopren (CR), Nitrilkautschuk (NBR), Butylkautschuk (IIR), Fluorkautschuk, z.B. Viton (FKM), Polyvinylchlorid (PVC), Polyvinylalkohol (PVAL), Polyethylen (PE) sowie Laminate mit mehreren Schichten unterschiedlicher Materialien.
Wichtige Kriterien für die chemische Eignung des Handschuhs:
Penetration: Makroskopischer Transport einer Chemikalie durch mikroskopisch kleine Poren, Löcher, Haarrisse des Handschuhmaterials. Im Zuge der Qualitätssicherung, welcher alle Chemikalienschutzhandschuhe bei der Herstellung zwingend unterliegen, lassen sich i.d.R. derartige Schwachstellen im Material bereits herstellerseitig feststellen und vermeiden.
Achtung: Nur Chemikalienschutzhandschuhe - nicht jedoch die leider oft auch als "Schutz" vor Chemikalien verwendeten medizinischen Untersuchungshandschuhe - unterliegen solchen Qualitätskriterien! Das bedeutet, dass bei medizinischen Untersuchungshandschuhen auch mit Penetration zu rechnen ist. Dies ist ein zusätzlicher Grund, medizinische Untersuchungshandschuhe nicht als Schutz vor Chemikalien zu verwenden.
Permeation: Diffusion (Durchdringung) einer Chemikalie durch das Handschuhmaterial auf molekularer Ebene. Die Permeation bzw. Durchdringung eines Gefahrstoffes durch ein Handschuhmaterial läßt sich grundsätzlich nicht vermeiden und vollzieht sich mehr oder weniger schnell (Permeations- oder Durchbruchszeit) und in unterschiedlichen Raten (Permeationsrate). Von den Herstellern sind für jeden Handschuhtyp entweder die Durchbruchszeit oder die Permeationsrate einer Vielzahl an Chemikalien bzw. Gefahrstoffen in Beständigkeitslisten angegeben.
Degradation: Veränderung mechanischer Materialeigenschaften aufgrund des Kontaktes mit einer Chemikalie. Chemikalien bzw. Gefahrstoffe können mit der Zeit das Handschuhmaterial verspröden, verhärten, schrumpfen oder quellen lassen. Die Degradation bewirkt eine Reduzierung der Trageeigenschaften und kann auch zu einem verminderten Schutzvermögen des Handschuhs durch verstärkte Permeation führen.
Aus den Permeations- und Degradationswerten werden für jeden Handschuhtyp Schutzlevel abgeleitet, die in den Beständigkeitslisten der Hersteller aufgeführt sind. Dabei hat jeder Hersteller seine eigene Schutzleveleinteilung entwickelt, so dass die Angaben zweier Hersteller oft schwer vergleichbar sind. Entscheidend ist, dass in den Beständigkeitslisten konkrete Hinweise enthalten sind, ob und wie lange der jeweilige Handschuhtyp als Schutz vor einer bestimmten Chemikalie geeignet ist. Die Empfehlungen des Herstellers müssen beachtet werden. Auf die Empfehlungen ist in der Regel Verlass, da der Anbieter bzw. Hersteller nach dem Produkthaftungsgesetz für evtl. falsche Angaben haften würde.
Zur Auswahl geeigneter Chemikalienschutzhandschuhe sollte auch die Beratung des SG Arbeitssicherheit eingeholt werden.
Weitere Informationen:
- KCL: Programm "Chemikalienmanager" zum Download. Gelistet sind ca. 1500 Stoffe, zu denen geeignete KCL-Handschuhe angeboten werden.
- Ansell: Beständigkeitslisten im Internet
- Uvex: Beständigkeitslisten im Internet
- Stoffspezifische Informationen über geeignete Handschuhmaterialien in der GESTIS-Stoffdatenbank
- Bundesverband Handschutz e.V: verschiedene Informationsschriften, z.B. Broschüre "Chemikalienschutzhandschuhe". Wesentliche Passagen des obigen Textes basieren auf dieser Broschüre.
- GUV-Regel 20.17 / GUV-R 195 "Einsatz von Schutzhandschuhen" Broschüren können auch vom SG Arbeitssicherheit angefordert werden.

