Wie hauchdünne Pinzetten ziehen Spindelfasern (hier grün eingefärbt) bei der Zellteilung das ursprüngliche genetische Material und seine Kopie (blau) in entgegengesetzte Richtungen, so dass beide Tochterzellen einen vollständigen Chromosomensatz erhalten. Verankert werden die Zugfäden mit Hilfe eines Schlüsselproteins namens Perizentrin (rote Punkte). Wenn der Anker nicht zuverlässig funktioniert, weil das Perizentrin-Gen fehlerhaft ist oder falsch abgelesen wird, wird die komplizierte Prozedur, durch die eine Zelle sich „verdoppelt“, grundlegend gestört. Bei einem schweren Defekt des Gens gehen wahrscheinlich schon im Embryo und während der gesamten Wachstumsphase zahlreiche Zellen zugrunde. Menschen mit dieser äußerst seltenen Krankheit werden nicht größer als etwa einen Meter und haben einen vergleichsweise kleinen Kopf, ohne deshalb geistig behindert zu sein. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Anita Rauch vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. André Reis) hat den Gendefekt als Ursache für Kleinwuchs aufgedeckt und das Ergebnis in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht. Damit könnte auch ein Streit entschieden sein, der Paläoanthropologen angeht: Die vor vier Jahren entdeckten Miniaturmenschen, die 18.000 Jahre vor unserer Zeit die indonesische Insel Flores besiedelten und nach den von J. R. Tolkien erfundenen Romanfiguren „Hobbits“ getauft wurden, waren allem Anschein nach keine eigene primitive Menschenart, sondern moderne Menschen mit einem Perizentrin-Defekt.
Abbildung: Dr. Anita Rauch


