Puzzleteilchen der Erdgeschichte

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Foto: Lehrstuhl für Mineralogie

Seit wann liegt ein Felsmassiv, das während der Eiszeit von Gletschern bedeckt war, unter freiem Himmel? Wieviele Tausend Jahre dauerte das Wachstum eines Tropfsteins, der heute Höhlenwanderer beeindruckt? Wie verlief die Faltung der Alpen? Wann ist mit der Verwitterung einer Nickel-Lagerstätte zu rechnen? Wie lange lag ein Meteorit in der Wüste, bevor er gefunden wurde, und welche Reisezeit im All ging dem Sturz auf die Erde voran? Derartige und viele andere Fragen beantworten Geowissenschaftler mit Hilfe verschiedener Methoden der Altersdatierung.

Dazu werden Gesteinsproben zu lichtdurchlässigen Dünnschliffen - hier eine Aufnahme mit dem Polarisationsmikroskop - präpariert und ihre Bestandteile analysiert. Wichtige Anhaltspunkte für eine Altersdatierung liefert Monazit, ein Mineral, das in Granit und Glimmerschiefer vorkommt. Die wenige Mikrometer messenden Körnchen sind auf der Abbildung als helle, scharf umgrenzte Einlagerungen im rotbraunen und beigefarbenen Glimmer zu erkennen. Monazit enthält Blei, das fast nur aus dem Zerfall radioaktiver Substanzen stammt. Mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde des Lehrstuhls für Mineralogie der Universität Erlangen-Nürnberg können die äußerst geringen Bleianteile mit einem besonders starken Elektronenstrahl zum Aussenden von Röntgenstrahlung angeregt und dadurch aufspürt werden. Aus den bekannten Zerfallszeiten kann auf das Alter der Probe rückgeschlossen werden.

Seit 2007 wurden in Erlangen viele Dutzend Gesteins-Dünnschliffe aus den Alpen, der Antarktis, Frankreich, Kamerun und Nordwestindien nach Monazit abgesucht und viele Tausend Datierungs­analysen vorgenommen. Bei der Suche nach Rohstoffvorkommen sind solche Informationen sehr wertvoll. Darüber hinaus rekonstruieren Geologen und Mineralogen aus solchen winzigen Splittern die Jahrmilliarden der Erdgeschichte.

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